Das Jahr 2025 war nach Daten des EU-Klimadienstes Copernicus das drittwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Den Daten zufolge ist es 2025 mit einer globalen Durchschnittstemperatur von 14,97 Grad Celsius nur geringfügig kühler gewesen als in den Rekordjahren 2024 und 2023. Erstmals hätten die globalen Temperaturen im Dreijahresschnitt 2023 bis 2025 damit um mehr als 1,5 Grad Celsius über dem Niveau der vorindustriellen Zeit gelegen.
Neben den klimaschädlichen Treibhausgasen in der Atmosphäre sind dem Bericht »Global Climate Highlights 2025« zufolge die hohen Meeresoberflächentemperaturen dafür verantwortlich, dass die vergangenen drei Jahre außergewöhnlich warm waren. Dies hänge mit dem Wetterphänomen El Niño und »anderen Faktoren der Ozeanvariabilität« zusammen, die durch den Klimawandel verstärkt worden seien. Zudem verweist Copernicus auf Veränderungen in der Menge der Aerosole, niedrige Wolken sowie Schwankungen in der atmosphärischen Zirkulation.
Es sind aber nicht nur die Wetterphänomene als Verursacher zu nennen, sondern handelnde Menschen. Dazu legt OXFAM Daten vor, die zeigen, wie unverhältnismäßig stark die Reichen und Superreichen für die Klimakrise verantwortlich sind. Jedes Jahr errechnet Oxfam den »Pollutocrat Day«, den Tag, an dem das weltweit reichste Prozent sein jährliches Treibhausgasbudget bereits ausgeschöpft hat – also die Menge an CO2, die pro Kopf jährlich emittiert werden darf, um die Erderwärmung im langfristigen Durchschnitt auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen. Dieser Tag fiel 2026 auf den 10. Januar. Untersuchungen von Oxfam zeigen, dass jede*r Milliardär*in im Durchschnitt durch die Unternehmen in seinem Investitionsportfolio für jährlich 1,9 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich ist und damit die Welt weiter in den Klimakollaps treibt.
Auch während des 30. Weltklimagipfels (COP30) schlugen Wissenschaftler*innen Alarm. Laut einer aktuellen Studie des Global Carbon Project wurden in 2025 voraussichtlich 38,1 Milliarden Tonnen Kohlendioxid durch die Nutzung von Kohle, Öl und Gas ausgestoßen – ein Anstieg um 1,1% im Vergleich zum Vorjahr. In den vergangenen zehn Jahren habe der jährliche Anstieg im Schnitt 0,8% betragen.
Wenn die Emissionen sich auf diesem Niveau fortsetzen, dürften wichtige Klimaschutzziele verfehlt werden. Laut UN-Umweltprogramm (UNEP) steuert die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,8 Grad Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit zu.
Das Problem mit dem Emittenten-Ranking
Der mit Abstand größte Emittent war 2024 China mit 15,5 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten, was rund 30% der globalen Emissionen entspricht. Dahinter folgen die USA, Indien und die EU. Gemeinsam sind die vier größten Emittenten für mehr als 50% des globalen Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Die EU und die sieben größten nationalen Emittenten, neben China, den USA und Indien noch Russland, Indonesien, Brasilien und Japan, setzen zusammen zwei Drittel der weltweiten CO2-Äquivalente (CO2-EQ) frei.
Deutschland trug 2024 mit 649 Millionen Tonnen CO2-EQ zu 1,27% zum globalen Ausstoß bei und rangiert damit weltweit auf Platz 14. Innerhalb der EU bleibt Deutschland der größte Emittent, obwohl es seinen Ausstoß im Vergleich zu 1990 um rund 48% reduziert hat. Der Zielwert des Klimaschutzgesetzes von 682 Millionen Tonnen wurde leicht unterschritten. Der Zielwert für 2030 liegt bei 438 Millionen Tonnen.
Das ist immer noch 7,5-mal mehr als der jährliche Ausstoß der Demokratischen Republik Kongo, eines der größten und bevölkerungsreichsten Länder auf dem afrikanischen Kontinent. Größter Emittent dort war 2024 Südafrika. Mit 570 Millionen Tonnen CO2-EQ setzte das Land jedoch weniger schädliche Treibhausgase frei als der weltweite Flugverkehr zusammen (622 Millionen Tonnen).
»In absoluten Zahlen war China 2024 zwar der größte Klimasünder. Betrachtet man allerdings die CO2-Emission pro Kopf, ergibt sich ein anderes Bild. Innerhalb der acht größten weltweiten Emittenten nehmen die 1,4 Milliarden Chines*innen dann nur noch Platz drei ein, hinter Russ*innen und US-Amerikaner*innen, die rund 1,6-mal mehr CO2-Äquivalente freisetzten.

Auf den geringsten Pro-Kopf-Ausstoß unter den globalen Top-Acht-Emittenten kommt Indien: Die rund 1,4 Milliarden Einwohner*innen des Subkontinents setzen pro Kopf nur knapp drei Tonnen Treibhausgase frei. In Europa ist es im Schnitt mehr als doppelt so viel, in Deutschland sogar fast dreimal mehr. 8,17 Tonnen CO2-EQ pustet ein/e Deutsche/r im Schnitt pro Jahr in die Atmosphäre – ein/e Einwohner*in der Demokratischen Republik Kongo braucht dafür 14 Jahre.
Der globale Norden ist für fast 50% aller CO2-EQ-Emissionen verantwortlich, die seit Beginn der Industrialisierung in die Atmosphäre geblasen wurden« (Zitate aus: »Wer für den globalen CO2-Ausstoß verantwortlich ist«, Deutschlandfunk vom 13.11.2025):

Die reichsten 10% der Weltbevölkerung sind für fast 50% der globalen CO2-EQ-Emissionen verantwortlich. Dagegen verursacht die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung weniger als 12% des Ausstoßes von CO2, Methan und anderen Gasen, die für den menschengemachten Klimawandel verantwortlich sind.
Schädlicher für das Klima als der Lebensstil der Superreichen ist laut einer Studie des französischen Ökonomen und Klimapolitik-Experten Lucas Chancel das Investitionsverhalten der extrem Reichen. Der Wissenschaftler von der Paris School of Economics errechnet in der Studie des World Inequality Lab, dass sich 41% der globalen Emissionen auf den privaten Kapitalbesitz des reichsten 1% der Weltbevölkerung zurückführen lässt. Denn die Investitionen der Superreichen fließen weiter vor allem in fossile Industrien. Insgesamt schaden sie dem Klima mehr, als es der Rest der Weltbevölkerung je könnte und profitieren zudem davon.
»Auch in Deutschland zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Emissions-Verursachern: Im Jahr 2019 verursachte ein Mensch aus dem reichsten Prozent der Bevölkerung 108,7 Tonnen CO2-EQ-Emissionen und damit fast 16-mal mehr als ein Mensch aus der ärmeren Hälfte der Bevölkerung (6,8 Tonnen).

Das reichste eine Prozent der deutschen Bevölkerung bläst pro Kopf ein Vielfaches an schädlichen Klimagasen in die Atmosphäre als der Rest. Selbst ein Mensch aus der Mittelschicht (11,9 Tonnen) verursachte nur etwa ein Drittel des Ausstoßes eines Menschen aus dem reichsten 10% der Bevölkerung (31,1 Tonnen). Diese Ungleichheit ist seit 1980 noch angewachsen. So stieß damals ein Mensch aus dem reichsten 10% der Bevölkerung ›nur‹ rund doppelt so viel CO2-EQ aus als ein/e Vertreter*in der Mittelschicht.
Zwar verringerten in den vergangenen Jahrzehnten alle Bevölkerungsgruppen ihren Treibhausgasausstoß deutlich. Die ärmsten 50% und die mittleren 40% der deutschen Bevölkerung sparten prozentual jedoch mehr Emissionen ein als die reichsten 10%, nämlich 56% bzw. 55%. Bei den reichsten 10% waren es dagegen nur 48%.
Der Blick auf die Verursacher der Emissionen zeigt: Selbst, wenn ein Großteil der Bevölkerung ihr Konsumverhalten ändert, reicht das nicht aus, um den Klimawandel zu stoppen – solange Superreiche mit ihrem Kapital ein Wirtschaftssystem stützen, das wesentlich auf fossiler Energie basiert und die herrschenden politischen Eliten nichts unternehmen, um dies zu ändern.« (Ebd.)
Trump: Rückzug aus Klimarahmenabkommen, stattdessen Griff nach Öl und Bodenschätzen
Sehr deutlich zeigt die Trump-Administration ihren Unwillen, sich am Kampf gegen die Folgen des Klimawandels zu beteiligen. Den Rückzug aus 66 internationalen Organisation erklärt der US-Präsident damit, die Organisationen »dienten nicht mehr den amerikanischen Interessen«. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass die Institutionen in ihrem Aufgabenbereich überflüssig, schlecht verwaltet und verschwenderisch seien. Die Einrichtungen würden zudem von Akteuren vereinnahmt, deren Interessen jenen der USA zuwiderliefen oder eine »Bedrohung für die Souveränität, die Freiheiten und den allgemeinen Wohlstand der Nation« darstellten.
Am weitreichendsten ist der Rückzug aus der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC). Das Abkommen aus dem Jahr 1992 wurde von nahezu 200 Staaten angenommen und gilt als Wegbereiter des Pariser Abkommens von 2015, aus dem die USA bereits ausgetreten sind.
Aber Trump vollzieht nicht nur den Rückzug aus weltweiten wissenschaftlich zur Weltgesundheit und Klimawandel arbeiteten Institutionen, sondern zieht gleichzeitig aggressive Maßnahmen im fossilen und Tech-Bereich durch. Trotz wachsender Forderungen nach dem Ende fossiler Energien beanspruchen die USA de facto die Kontrolle über Venezuela. Sie wollen sich »sehr stark« in die Ölindustrie einmischen, die Trump als »Totalausfall« beschreibt. Fossile Energieträger (Kohle, Öl und Gas) sind mit Abstand die größten Treiber der globalen Erderwärmung. Nach UN-Angaben verursachen sie rund 68% der weltweiten Treibhausgasemissionen und fast 90% der CO2-Emissionen.
Für den US-Präsidenten ist es keine Frage: »Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit. Es ist so strategisch. Im Moment ist Grönland überall mit russischen und chinesischen Schiffen übersät. Wir brauchen Grönland im Hinblick auf die nationale Sicherheit, und Dänemark ist nicht in der Lage, das zu tun.«
Die Arktis durchläuft tatsächlich eine dramatische Transformation – vom relativ friedlichen Raum wissenschaftlicher Kooperation zum umkämpften strategischen Gebiet. Während frühere geopolitische Konfliktzonen über Jahrzehnte entstanden, vollzieht sich die »Öffnung« der Arktis innerhalb weniger Jahre. Prognosen u.a. vom Potsdamer Klima-Institut gehen davon aus, dass die Arktis bereits in den 2040er Jahren im Sommer eisfrei sein könnte. Das damit auch die Perspektive einer Ausbeutung der dort reichlich lagernden Rohstoffe im Focus sind, trägt zur Verschärfung der internationalen Konfrontationsphase bei.
In Reaktion auf das immer nachdrücklichere Ansinnen der US-Regierung, Grönland zu übernehmen, haben hunderte US-Wissenschaftler*innen, die in Grönland forschen, ein Statement unterzeichnet, in dem sie sich mit Grönland solidarisieren und sich »vehement« gegen Trumps »aggressive Haltung« stellen. Der Aufruf schließt an einen offenen Brief von Beginn letzten Jahres an, in dem rund 350 Forschende die Angriffe auf Grönlands Autonomie scharf kritisierten und auf die Bedeutung der Insel für die Forschung hinwiesen: »Die Eiskappe Grönlands ist einer der weltweit wichtigsten Indikatoren für den Klimawandel und schmilzt derzeit in alarmierendem Tempo – pro Sekunde fließt dabei eine Wassermenge in den Ozean, die etwa drei olympischen Schwimmbecken entspricht.«
»Die wissenschaftlichen Kosten wären enorm. Eine einseitige Übernahme durch die USA droht die offene Zusammenarbeit zu stören, die uns hilft, die Gefahr des globalen Anstiegs des Meeresspiegels zu verstehen«, schreibt auch der britische Glaziologe Martin Siegert von der Universität Exeter. Diese Zusammenhänge näher zu untersuchen, hat kaum eine Priorität für Trump, was sein Ausstieg aus der UN-Klimarahmenkonvention, dem Weltklimarat, dem Weltbiodiversitätsrat und 63 weiteren Organisationen dokumentiert. Die Fachwelt ist bestürzt.
Björn Radke, 18.01.2026
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