Energiewende und Klimaschutz – konkret bei uns vor Ort

„Wer die Energiewende will, muss mit den Bürgern gemeinsam planen!“

Diskussion von Solarfreiflächen in unseren Dörfern

Mit nur einer Stimme Mehrheit (299 zu 298) haben die Pronstorfer in einem Bürgerentscheid am 5. Dezember 21 gegen das Projekt eines Solarparks in Pronstorf gestimmt. Bei einer Wahlbeteiligung vom 42 Prozent ist das Ergebnis Ausdruck einer gespaltenen Gemeinde. Der Initiator des Solarparks, Landeigentümer Hans-Caspar Graf zu Rantzau strebt nun einen zweiten Bürgerentscheid an, über den die Bürger zeitgleich mit der Landtagswahl am 8. Mai 2022 abstimmen sollen. „Es kann doch keine Lösung sein, die Bevölkerung so lange abstimmen zu lassen, bis das gewünschte Ergebnis erzielt wird“, reagiert Michael Rupp, Sprecher der Ortsverbandes der Grünen im Amt Trave-Land. Wenn wir die nun sichtbar gewordenen verhärteten Fronten überwinden wollen, brauchen wir andere Wege, um zu einem Ergebnis zu kommen, dass sowohl die Interessen der Initiatoren, als auch der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigt. “, so Michael Rupp. Er sieht den Ausweg in der Einladung zu einer Planungsgruppe bestehend aus Befürwortern und Gegnern des Projektes, aus Gemeinderäten und einfachen Bürgern ohne Mandat. Dort besteht die große Chance, zu einer Lösung zu kommen, die die meisten Bürger mittragen können und die ein Bürgerbegehren überflüssig macht. Dies könnten die Kriterien sein:

  • Die Anlage müsste sich mit der Umgebung vertragen, das bedeutet: Gerade bei der Standortwahl macht es Sinn, die potentiellen Anwohner direkt mit einzubeziehen. So könnte die Akzeptanz für mögliche Nachteile (Blick- oder Blendbeeinträchtigung, etc.) erhöht werden, wenn die Mehrheit der Nachbarn diese mittragen würde. 
  • Es muss für alle transparent sein, welche Konsequenzen genau die Errichtung für die Umwelt hat und ggf. schon bei der Planung gegengesteuert werden (z.B. durch Ständer für die Solarpaneele, die den Boden nicht versiegeln und durch einen Bewuchs, der den Artenreichtum vergrößert). 
  • Gemeindeeinwohner müssen die Möglichkeit haben, sich an dem Projekt unternehmerisch zu beteiligen. Die steigenden CO2-Preise werden dazu führen, dass auch die Mitglieder der betroffenen Gemeinde bei weiterer Nutzung fossiler Energieträger größere finanzielle Belastungen schultern müssen. Eine Beteiligung an dem Projekt kann da einen Ausgleich schaffen und auch dazu führen, dass die Akzeptanz der Erneuerbaren Energieanlage in der Nachbarschaft steigt.

Der Ausbau erneuerbarer Energien kann mit einer guten Bürgerbeteiligung eine große Chance werden, auch das Miteinander der Dorfbewohner zu befördern und damit die Lebensqualität in den Dörfern zu erhöhen.

Bedürfnisse berücksichtigen

Pronstorf ist kein Einzelfall. Auch in Weede hat ein Bürgerentscheid dazu geführt, dass die Planung des Gemeinderates für eine Freiflächen-Solaranlage gekippt wurde.

So wichtig es ist, möglichst viele dezentrale erneuerbare Energieprojekte umzusetzen, um die Energiewende zu schaffen, so notwendig ist es, die Bürger mit ihren Interessen zu berücksichtigen.

Am Beispiel Pronstorf hat Michael Rupp, GRÜNER Vorstandssprecher des Ortsverbandes Trave-Land eine Bedürfnislandkarte entwickelt, die sich sicherlich auf viele andere Dörfer und Freiflächen-Solarprojekte übertragen lässt.

Je besser alle Interessen im Planungsprozess abgewogen werden, desto größer wird am Ende die Zustimmung sein. 

Gerade die erneuerbaren Energien bieten die Möglichkeit, dass neben der Umwelt Bürger, Investoren und Gemeindekassen profitieren. Diese Chance sollten wir nutzen!

Wer sich mit Solarfreiflächen beschäftigen möchte, findet hier weiterführende Literatur:

Text: Meike Lüdemann