Ein Vorbericht in den Lübecker Nachrichten und der Segeberger Zeitung und mehrere Kleinanzeigen im regionalen „Basses Blatt“ trugen dazu bei, dass mehr als 70 Interessierte ins Landhaus Schulze-Hamann in Blunk am 19. März kamen. Einmal mehr stellten Angela und Stefan Schulze-Hamann ein schmackhaftes und kreatives Büffet bereit. Dieses trug schon zu Beginn zu der lockeren Atmosphäre bei, die den Verlauf des Abends prägte. Eingeladen hatten die grünen Ortsverbände Trave-Land und Bad Segeberg.

Auf dem Podium diskutierten Agrar-Experten mit ganz unterschiedlichen Ansätzen: von links: die Bio-Bauern Felix Riecken und Dirk Kock-Rower (auch MdL und agrarpolitischer Sprecher von B90/Grüne im Landtag), der konventionell wirtschaftende Landwirt Thilo Priess vom Kreisbauernverband Segeberg und Götz Resenhoeft, Geschäftsführer des Versuchsguts Hülsenberg der Schaumann-Gruppe. Björn Radke, Co-Sprecher des OV Trave-Land, moderierte.

Das Konzept dieser Podiumsdiskussion, das von den Ortsverbänden Trave-Land und Segeberg entwickelt wurde, basiert auf den 24 Thesen des Dialogprozesses „Zukunft der Landwirtschaft“. Diese bilden die Grundlage des Leitbilds „Landwirtschaft 2040“ für Schleswig-Holstein und wurden in einem mehrjährigen Austausch, ab 2018 bis heute, zwischen Landwirt:innen, Verbänden, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft erarbeitet. So waren an der Entwicklung des Leitbildes beteiligt:
• Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz Schleswig-Holstein (MLLEV)
• Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur Schleswig-Holstein (ME-KUN)
• Bauernverband Schleswig-Holstein
• Bioland Landesverband SH/HH/MV
• LandFrauenverband Schleswig-Holstein e. V
• Landjugendverband Schleswig-Holstein
• Hamfelder Hof Bauernmeierei
• Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein
• BUND Landesverband Schleswig-Holstein
• NABU Landesverband Schleswig-Holstein
• PROVIEH e. V. – Nutztierschutz
• Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland
Bei der breiten gesellschaftlichen Beteiligung verwundert es nicht, dass die vier geladenen Gäste sich positiv auf die Grundzüge des Leitbildes bezogen.1 Die 24 Thesen des Leitbildes gliedern sich thematisch in Bereiche wie Nachhaltigkeit, Rahmenbedingungen, Flächennutzung und gesellschaftliche Akzeptanz, mit dem Ziel, eine ökologisch, ökonomisch und sozial tragfähige Landwirtschaft zu etablieren.
Alle waren sich einig, dass sich etwas ändern muss, angesichts von Klimawandel, Artensterben, Pestizid-Belastungen, globalen Herausforderungen (Stichwort Mercosur-Abkommen), Kostendruck, Bürokratie und Höfesterben. „Global denken – regional handeln“, „Transparenz in der Lebensmittelindustrie“, „weniger Bürokratie“, „bessere Aufklärung der Verbraucher/innen“, „sinnvolle Digitalisierung und Energiepolitik“ waren Leitgedanken, die alle Diskutanten – auf dem Podium und aus dem Publikum – befürworteten. Ebenso wie die Forderung, wonach Agrarprodukte, die unter hohen Standards produziert werden, entsprechend bessere Preise erzielen müssen. Genau das aber ist in der Lebensmittelindustrie und bei den Verbraucher:innen noch schwer zu vermitteln.
Dieser Abend war geprägt von viel Faktenvermittlung, Ausblicken auf mögliche Entwicklungen, etwa hochtechnisiert wie auf Gut Hülsenberg oder zur ökologischen Agroforstwirtschaft, wie sie Felix Riecken fordert. Thilo Pries wies darauf hin, dass die ökologische Wirtschaftsweise ihre Berechtigung hat, aber es sei eben nicht grundsätzlich so, dass konventionelle Betriebe den ökologischen beim Klimaschutz unterlegen sind. Tatsächlich verursachen Biobauern zwar, auf die Fläche gesehen, geringere Emissionen – aber sie sind weniger produktiv. Dirk Kock-Rower setzte seinen Schwerpunk auf die artgerechte Viehhaltung, die einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer vielfältigen Kulturlandschaft und zum Tierwohl beiträgt. Und auch für die Gesundheit ist Weidemilch gegenüber der Milch von Kühen aus reiner Stallhaltung ein Vorteil. Dass der Abend mit diesem Format in einer konstruktiven und respektvollen, und lockeren Atmosphäre stattfinden konnte, lässt hoffen, dass der Austausch zwischen den im Kreis ansässigen GRÜNEN und Vertreter:innen aus der produzierenden Landwirtschaft seine Fortsetzung finden kann etwa im Gespräch zwischen Produzent:innen in der Landwirtschaft und eine Vertiefung des Austauschs mit Landwirt:innen und den interessierten Verbraucher:innen.
Björn Radke 22.3.2026 (Fotos: Sylvia Träbing-Butzmann)
———————————————————————————————————————————-
Das Leitbild für Landwirtschaft 2040 in SH
Das Leitbild „Landwirtschaft 2040“ in Schleswig-Holstein beschreibt eine Landwirtschaft, die ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig ist, den Betrieben ein sicheres Einkommen ermöglicht und gesellschaftlich breit akzeptiert wird. Es stützt sich auf 24 gemeinsame Thesen aus einem mehrjährigen Dialogprozess mit Landwirtschaft, Verbänden und Zivilgesellschaft.
24 Thesen des Dialogs kurz zusammengefasst
Die 24 Thesen des Dialogprozesses „Zukunft der Landwirtschaft“ in Schleswig-Holstein bilden die Grundlage des Leitbilds „Landwirtschaft 2040“ und wurden in einem mehrjährigen Austausch zwischen Landwirten, Verbänden, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft erarbeitet.
Übergeordnete Prinzipien (Thesen 1–6)
Landwirtschaft muss ökologisch nachhaltig wirtschaften, um Klimaziele, Biodiversität und Ressourcenschutz zu erreichen, ohne Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.
Politik schafft stabile Rahmenbedingungen, vergütet Gemeinwohlleistungen fair und reduziert Bürokratie.
Gesellschaftliche Akzeptanz wächst durch Transparenz, Dialog und verändertes Konsumverhalten (z. B. Nachfrage nach regionalen Produkten).
Produktion und Flächennutzung (Thesen 7–14)
Ganzheitliche Flächennutzung minimiert Konkurrenzen zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Erneuerbaren Energien.
Präzise Bewirtschaftung (z. B. Digitalisierung, Controlled Traffic Farming 2) steigert Effizienz und Umweltschutz.
Vielfältige Fruchtfolgen, ganzjährige Bodenbedeckung und Humusaufbau binden CO₂ und schützen Böden.
Tierhaltung und Futtermittel (Thesen 15–19)
Nutztierhaltung bleibt flächengebunden, mit Fokus auf Weidewirtschaft, Tierwohl und regionalen Futtermitteln.
Emissionsarme Praktiken (z. B. effiziente Düngung) verbessern Gewässerschutz und Klimabilanz.
Wirtschaftliche und gesellschaftliche Vielfalt (Thesen 20–24)
Betriebe diversifizieren Einkommen durch Direktvermarktung, Biogas, Agrartourismus und Dienstleistungen.
Ständiger Dialog verankert die Thesen in Politik und Praxis, mit regelmäßiger Überprüfung.
Was die Thesen nicht leisten
Die 24 Thesen ersetzen keinen Umsetzungsplan mit klar hinterlegten Terminen, Budgets und Verantwortlichkeiten.
——————————————————————————————————————————–
1 Am Ende dieses Texte sind die 24 Thesen nachzulesen.
2 Das befahren der Felder nach am Computer geplanten und genau festgelegten Fahrspuren. Sowohl unsere Fahrgassen im Feld – die Spuren in denen die Spritze und der Traktor mit dem Düngerstreuer fahren – als auch die Bodenbearbeitung, die Sämaschine, die Walze, der Selbstfahrer zur Gülleausbringung und der Mähdrescher fahren auf unsichtbaren Gleisen. Zentimetergenau, jedes Jahr auf der selben Stelle.
Artikel kommentieren
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.