
Auf Einladung der OVen Bad Segeberg und Trave-Land besuchte am 9. September die Verkehrsexpertin der grünen Landtagsfraktion, Nelly Waldeck, den „Runden Tisch“ im Regionalbüro der GRÜNEN in der Segeberger Bahnhofstraße.
15 Mitglieder kamen und konnten nach gut einer Stunde informativem Vortrags und vielen Nachfragen und Beiträgen feststellen mehr über den öffentlichen Nahverkehr, zu wissen als vorher.
Nelly berichtete, dass aus jüngsten Umfragen hervorging, die Mobilität sei 2023 und auch 2026 das größte Problem der Befragten. 27 Prozent seien sehr unzufrieden mit dem Zustand der Bahn, würden aber nutzen wollen. Seit der Einführung des ÖPNV-Tickets nutzen 20-25 Prozent mehr Fahrgäste die Bahn trotz des schlechten Zustands. 75 Prozent der Befragten geben an, dass sie gerne ÖPNV fahren würden, wenn die Verbindungen gut sind. Gegenwärtig können sie den ÖPNV aber gar nicht für ihre täglichen Verbindungen nutzen. Erfreulich aber ist die Entwicklung: 2024 gab es 2,3 Milliarden Fahrgäste im ÖPNV, 2019 waren es noch 1,9 Milliarden. Ca. 500.000 Menschen haben in SH ein Deutschland-Ticket.
Pünktlichkeit ist bei der Bahn runtergegangen, aber nicht flächendeckend. So ist die Strecke Neumünster-Eidelstedt absolut pünktlich (gehört der AKN). Die Hauptgründe für die Unzuverlässigkeit sind die Infrastruktur, das Schienennetz und der Personal- und Fachkräftemangel.
- Mehr als 2/3 der Züge kommen wegen der Infrastruktur zu spät. Es gibt erheblichen Sanierungsbedarf, zb. zu wenig Ausweichstellen, marode Weichen. Die Infrastruktur gehört zu den größten Teilen dem Bund und der Bahn, nicht dem Land. Dadurch entstehen für das Land große Abhängigkeiten vom Bund und DB, was die Sanierungsvorhaben und Neuplanungen angeht. Das Land möchte deswegen eine landeseigene Verkehrsgesellschaft gründen gemeinsam mit regionalen Anbietern. Während die AKN diesen Vorschlag begrüßt, lehnen Bund und Deutsche Bahn diesen ab.
- Das Schienennetz ist seit 1970 stark zurückgebaut worden und auch Zweigleisigkeiten wurden zurückgebaut.
- Das Personalproblem. 50 Prozent der Menschen, die bei Bus und Bahn arbeiten in den nächsten 10 Jahren in Rente gehen, es aber weniger Menschen gibt, die nachkommen. Bei den Fahrzeugen besteht das Problem darin, das die Umstellung auf neue Fahrzeuge mindestens 5 Jahre dauert. Die Elektrifizierung liegt jetzt bei 70 Prozent und mit den Akku-Zügen werden im nächsten Plan die 100 Prozent elektrischer Fahrzeuge erreicht.
Das Projekt des Bahnausbaus Kiel Neumünster-Bad-Oldesloe – Hamburg beginnt die Planungsphase (R78) wird gemeinsam geplant von Bund, Bahn ud Land. Das Land nimmt jetzt schon Geld in die Hand, um das Projekt anzuschieben. Von der Zeitdiagnose hier kann man nicht vor Mitte der 30er Jahre mit der Realisierung rechnen.
Das Jobticket wird Bundesweit von den Arbeitgebern finanziert und gestalten die Höhe nach eigenem Ermessen. Der Bund zahlt lediglich zwei Euro dazu. Azubi-Ticket für 20 Euro, wie die Schüler. Die GRÜNEN setzen sich dafür ein, das Jobticket und Azubi-Ticket einen höheren Zuschuss vom Bund bekommen. Leider kennt niemand bisher das AZUBI-Ticket und wird auch von der Bahn nicht beworben.
Soweit Nellys Ausführungen. Als konstruktiver Vorschlag für den kommenden Wahlkampf wurde vorgeschlagen, den Flyer zum Azubi-Ticket im Wahlkampf dort verteilen, wo Azubis sind.
Björn Radke
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